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Zur Vermittlung kriteriengeleiteter Entscheidungsprozesse.

Zur Vermittlung kriteriengeleiteter Entscheidungsprozesse.

Zur Vermittlung kriteriengeleiteter Entscheidungs- prozesse.

 

Entscheidungsprozesse lassen sich didaktisch nicht allein über fachwissenschaftliche Erkenntnisse vermitteln. Sie bedürfen einer beispielhaften Erklärung ihres Zustandekommens. Jeden Entscheidungsprozess hinsichtlich seiner Elemente im Rahmen des Unterrichts aufzuarbeiten, ist zeitlich nicht möglich. Daher ist es die Aufgabe des Ausbilders, seinen Auszubildenden das Verfahren anhand weniger, begründet ausgewählter Beispiele  exemplarisch aufzuzeigen. Worauf bei der Bewältigung  der Aufgabe im Unterricht geachtet werden muss, soll nachfolgend an einem Lehrsatz behandelt werden.

 

Das Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft umfasst eine Vielzahl an Berufen (Hotel- und Restaurantberufe, Fleischerei-, Konditorei – und Bäckereiberufe, Hauswirtschaftliche Berufe ....) Schwerpunkte sind dort Produktion, Ein- und Verkauf, Beratung und Organisation, aber auch betriebswirtschaftliche und Marketingaspekte. Die Ausbildung selbst ist meistens sehr breitgegliedert angelegt - eine Spezialisierung findet oft erst nach der Ausbildung statt. Daraus folgert, die Ausbildung muss zum Ziel haben, die Abgänger mit einem größtmöglichen Maß an Handlungskompetenz auszustatten. Sie müssen in ihrem lebenslangen Berufs- und Lernweg befähigt sein, möglichst vielen anfallenden Aufgaben gerecht zu werden. Eine solche Fähigkeit kann gerade in dieser Branche Berufszufriedenheit und  Aufstiegs­möglichkeiten vermitteln.

 

Um Handlungskompetenz in der Ausbildung zu erreichen, muss sich die Ausbildung in der Schule am konkretem beruflichen Handeln orientieren. Die fast flächendeckend eingeführten Lernfelder geben die Bereiche vor, in denen sich dieses Handeln vollzieht. Die Lernsituationen, die von den Lehrern den Gegebenheiten der Ausbildung entsprechend entwickelt werden müssen, stellen die konkreten, exemplarischen Aufgaben dar, in denen didaktisch reduziert an der Bewältigung von „Problemen“ gearbeitet wird.

Damit das ganze nicht zu sehr auf kognitiver Ebene geschieht, ist es sinnvoll, handlungs- und produktorientiert zu arbeiten. Und selbstverständlich arbeitet man heute im Team, sowohl unter Lehrern, als auch die Schüler.

Das erste was dem Schüler gelingen muss, ist aus der Aufgabe eine klare Zieldefinition zu extrahieren.

 

·         Wie könnte das Handlungsprodukt aussehen ? Kann man das Problem in Teilprobleme zerlegen?

·         Welche Lösungswege können beschritten werden ?

·         Wie wollen wir vorgehen ?

 

Für den Lehrer ergibt sich daraus die Aufgabe, den Lernweg für die Schüler zu organisieren und Hilfestellungen zu geben. Schülerselbständigkeit zu fördern ist einerseits wichtig, andererseits ist nach wie vor die Vermittlung von strukturierten Erkenntnissen notwendig.

 

Das Entwickeln von Problemlösestrategien und die kriteriengeleiteten, zielorientierten Entscheidungen  auf Basis von Fachwissen einerseits und Integration fächerübergreifender Aspekte andererseits, sorgen für berufliche und private Handlungskompetenz.

 

Experten sind in der Lage, Entscheidungen intuitiv zu fällen. Sie besitzen ein hohes Maß an Erfahrung und Fachwissen und können so ihre Aufgaben zielorientiert lösen. Berufsanfänger brauchen für die zu treffenden Entscheidungen Grundlagen, die sich einerseits aus dem Faktenwissen speisen, andererseits aber ein hohes Maß an Kenntnis über Entscheidungskriterien voraussetzen.

 

Ausbildung für den Ernährungs- und Hauswirtschaftsbereich zu betreiben heißt,  den Auszubildenden neben der Vermittlung von Faktenwissen stetig die Möglichkeit aufzuzeigen,  Kriterien für berufsrelevante Entscheidungen zu finden.

 

Im Bereich Ernährung gibt es eine ganze Reihe Methoden, die sehr spezifisch in diesem Bereich eingesetzt werden. Dazu zählen vor allem sensorische Übungen in Theorie und Praxis, Unterrichtsversuche zu lebensmittelchemischen und ernährungsphysiologischen Fragen, fachpraktische Unterrichtseinheiten und auch Exkursionen etc. All diesen methodischen Elementen müsste zugrunde liegen dass sie  den Schülern Erkenntnisse vermitteln,  aus denen sie Kriterien ableiten können. Die Ausbildung  begnügt sich  jedoch oft mit viel zu abstrakten Ebenen. Aufgabe des Unterrichts muss es also sein, diese Abstraktion aufzulösen, um den Schülern zu verdeutlichen, dass sich hinter jedem Begriff eine Vielzahl von weiteren Begriffen und Entscheidungselementen verbirgt.

 

Um diese Forderung zu verdeutlichen, sei folgendes Beispiel aus dem Bereich Herstellung von Speisen vorgestellt. Der Ausbildende oder Auszubildende stellt eine Regel in den Raum:

Für die Produktion von hochwertigen Speisen müssen wir natürlich qualitativ hochwertige Rohstoffe einkaufen.“

Schüler werden diesen Satz abnicken, schreiben ihn als Regel auf, entbehren aber der  Chance, aus dem Lehrsatz konkrete Hinweise zu beruflichem Handeln in seinen Feinheiten zu entnehmen.

Die Analyse des Satzes führt zur Aussage, dass in ihm viele unausgesprochene Kriterien enthalten sind, die ein Berufsanfänger unmöglich erkennen kann. Ziel muss es daher sein, den Schüler dafür zu sensibilisieren, dass er  die unterschiedlichsten Entscheidungsebenen für den Einkauf von Rohware erkennt.

Ziel von kriteriengeleitetem Unterricht ist es demnach,  die häufig unbedacht aufgestellten Regeln, Anweisungen und Arbeitsschrittfolgen in ihre Unterprobleme zu zerlegen. In Fall des Beispieles müssten sehr viele Gesichtspunkte näher beleuchtet werden.

·         Was allein steckt hinter dem Ausdruck

·         „hochwertig“;

·         welche Art von „Produktion“ ist gemeint;

·         was bedeutet „Qualität“;

·         was sind „Rohstoffe“;...

 

 

Mit Mindmaps kann sich der Lehrer als auch der Schüler erst einmal die unterschiedlichen Aspekte aufzeichnen, die der Lerngegenstand bietet (Themenstruktur).

 

 

Befasst man sich nur einmal damit, welche Fragen man sich stellen muss, um den Qualitätsbegriff von Speisen für die zielorientierte Herstellung begutachten zu können, kann man sich vorstellen, welche Aspekte hinter all den anderen Aussagen noch stecken.

 

 

Bei dieser Aufzählung sind noch keinerlei Kriterien vorhanden, die den Schüler auf kriteriengeleiteter Basis entscheiden lassen. Der Lernwegbegleiter muss den Schüler befähigen,  alle Aspekte zu erkennen.  Oft heißt es einfach nur: „Man muss die Qualität beachten!“ Was aber steckt allein hinter diesem Begriff ?

 

 

Nehmen wir uns nur den sensorischen Aspekt des Qualitätsbegriffs vor und zerlegen diesen wieder in relevante Gesichtspunkte und konzentrieren uns jetzt auf den Begriff „Frische“, der sicherlich im Zusammenhang mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln fällt. Welches sind die Kriterien für Frische ?

 

·         Woran erkennt man frische Lebensmittel ?

·         Welche Merkmale und Merkmalseigenschaften besitzen frische Lebensmittel ?

·         Sieht ein Lebensmittel nur frisch aus, oder ist es auch frisch ?

·         Wie lange bleibt das Lebensmittel frisch?

·         Wie kann man diese Eigenschaften erhalten?

·         Etc.

 

Auf jeder Ebene werden viele Fragen sichtbar, die Berufsanfänger während ihrer Berufsausbildung zu beantworten haben. Wie soll man dies alles in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit alles schaffen ?

Machbar ist, den Schülern erst einmal klar zu machen, dass hinter jeder beruflichen Entscheidung, die Abarbeitung des Problems erstens zielorientiert und zweitens aus vielerlei Blickrichtungen zu erfolgen hat. Je mehr Aspekte man bei seinen Entscheidungen zu berücksichtigen weiß, desto sicherer wird man im Entscheidungsprozess sein, desto weniger Fehler macht man, desto mehr Berufszufriedenheit und Erfolg kehrt ein.

Viele kleine Aspekte werden im Laufe der Zeit intuitiv abgearbeitet, aber ein Fachmann kann sich jeden einzelnen Aspekt einer Fragestellung bewusst machen.

 

Ausbilder und Lehrer müssen den Berufsanfängern erstens durch Schwerpunktsetzung  sinnvoll eingeschränkte Aufgaben geben: Die Abarbeitung aller Aspekte ist nahezu unmöglich. Zweitens müssen den Schülern Methoden an die Hand gegeben werden, die Kriterien selbst zu erkennen, sie zu systematisieren, sie in das Gesamtsystem ihrer beruflichen Handlungskompetenz einzuordnen und Transferleistungen zu ermöglichen. Außerdem müssen Unterricht und Ausbildung es leisten, die Schüler zu selbständig, forschendem Lernen zu befähigen, um sich selbst fehlende Kriterien im Laufe ihres Berufslebens zu erarbeiten.

 

Fazit: In Fachrichtungen, die so vielfältig sind wie der Ernährungsbereich muss den Berufsanfängern immer wieder vor Augen geführt,  welche Felder sie bei ihren beruflichen Entscheidungen zu berücksichtigen haben.

An Schwerpunkten sollte man dann die an beruflichem Handeln orientierte Lernsituation dazu nutzen, einzelnen Aspekte bis auf Kriterienebene aufzuarbeiten und daraus Begründungen für Handlungsabläufe abzuleiten.

 

 

 

Ctefan Wohlfeil

 

  •     Fachseminarleiter Ernährung und Hauswirtschaft am Staatlichen Studienseminar Hamburg, Abteilung Berufliche Schulen 2000 -2006
  •  Lehrer an der Gewerbeschule für Gastronomie und Ernährung, Hotelfachschule Hamburg
  • 1. Vorsitzender des Berufsfachverbandes der Köche in Hamburg – Kochklub „Gastronom“ Hamburg. E.V. von 1992 bis 2006
  • Präsident Verband der Köche Deutschlands von 2005- Jan. 2009

 

 

 


 

23.03.2009, 23:57 von Ctefan Wohlfeil | 32487 Aufrufe
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