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"Wer Fleisch ißt ..." - eine sachlich-provokante Argumentation

"Wer Fleisch ißt ..." - eine sachlich-provokante Argumentation

Im folgenden dokumentieren wir hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin Annette Sawatzki auszugsweise den Artikel "Wer Fleisch ißt ..." (aus: "Hamburg Debatte" 4, Juli 2011)
und freuen uns über eine lebhafte, natürlich auch sachliche Diskussion:

Wer Fleisch ißt ...

... verhindert, daß neun andere, vegetarische Mahlzeiten hergestellt werden können.

Für die Herstellung eines Steaks werden bis zu 15.000 Liter Wasser verschwendet. Fleisch ist ein äußerst luxuriöses Statussymbol. Um eine tierische Kalorie zu erzeugen, bedarf es je nach Tiergattung 6 bis 26 pflanzlicher Kalorien.


... läßt andere Hungers sterben

Jeder siebte Mensch leidet an Hunger, und alle drei Sekunden stirbt ein Mensch daran. Das sind etwa eine Milliarde Hungernde und 8,8 Milionen Hungertote jährlich, die meisten von ihnen Kinder. Und die meisten der drei Milliarden Menschen, um die die Weltbevölkerung in den nächsten 40 Jahren voraussichtlich anwachsen wird, werden in Ländern zur Welt kommen, wo bereits jetzt große Teile der Bevvölkerung unterernährt sind. Jean Ziegler, UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung, nennt den massenhaften Hungertod Mord, denn er wäre ohne weiteres vermeidbar. Die Erde könnte bis zu zwölf Milliarden Menschen ernähren - Umstieg auf pflanzliche Kost vorausgesetzt.

Fleisch ist ein äußerst luxuriöses Statussymbol. Um eine tierische Kalorie zu erzeugen, bedarf es je nach Tiergattung sechs bis 26 pflanzlicher Kalorien. Um z.B. ein Kilo Rindfleisch zu erzeugen, sind etwa 10 Kilo pflanzliche Nahrung erforderlich. Wer sich also an einem Steak satt ißt, verhindert damit, daß neun andere, vegetarische Mahlzeiten hergestellt werden können. Für die Herstellung dieses einen Steaks werden zudem bis zu 15.000 Liter Wasser verschwendet.

Die pro Kopf verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche hat sich seit 1950 durch Bevölkerungswachstum und die Folgen des Klimawandels ungefähr halbiert. Zugleich ist allein der Bestand der brasilianischen Rinderherden um mehr als 40 Millionen Tiere gewachsen. Derzeit werden vier Fünftel der weltweiten Sojaernte und mehr als ein Drittel der Getreieeernte für die Fütterung von Nutztieren verbraucht. Seit Jahren kaufen internationale Investmentfonds in großem Stil landwirtschaftliche Flächen vor allem in Entwicklungsländern auf. Damit einher gehen die gewaltsame Vertreibung von Kleinbauern und die Zerstörung der lokalen Agrarmärkte. Die globalen Getreidepreise haben sich seit dem Jahr 2000  verdreifacht, der Preis für Mais sogar vervierfacht. Marktanalysten sind sich einig, daß die steigende Nachfrage nach Fleisch die Hauptursache der Preisexplosion ist. Und ncht nur für Spekulanten, auch für politische Geostrategen sind agrarische Rohstoffe längst ein brandheißes Thema.

... schädigt Klima und Umwelt

Die Verseuchung ganzer Landstriche und ihres Grundwassers durch Gülle ist ein großes Umweltproblem infolge der Fleischproduktion - doch längst nicht das gravierendste. Fleisch- und Milchverzehr ist für mehr klimaschädliche Emissionen verantwortlich als der globale Verkehr und damit eine Hauptursache für den Klimawandel. Rindfleisch verursacht 90mal mehr Emissionen als Gemüse, Butter ist zehnmal klimaschädlicher als Margarine. Denn zur Gewinnung von Weideland und für den Futtermittelanbau wurden und werden hunderttausende Hektar Regenwald gerodet. Zudem entstehen bei der Viehhaltung neben CO2 auch Stickoxid und Methan in unvorstellbaren Mengen. Methan, das vor allem bei der Verdauung von Wiederkäuern entsteht, ist für die Ozonschicht 23mal schädlicher als CO2. Durch Fleisch- und Milchverzicht wäre übrigens der schnellstmögliche klimapolitische Erfolg zu erzielen.

... quält Tiere

Eine aktuelle Studie der Uni Leipzig über die Zustände in deutschen Putenmastbetrieben zeigt es wieder: der Skandal ist die Norm. Von 16.200 begutachteten Puten in 18 deutschen Betrieben war jede einzelne krank. Die Veterinärämter sehen weg. Landwirtschaftsminister verdienen Geld damit, und VerbraucherInnen verlangen mit jedem Einkauf mehr davon: Entzündungen, Geschwulste, Knochenbrüche und genetisch auf maximalen Fleischertrag "optimierte" Organismen, die qua Zucht nur unter Schmerzen leben können. Werbeslogan der Hersteller: "Geflügel wie ich es mag". Bei sog. Nutztieren erlaubt das sog. Tierschutzgesetz, Schwänze, Schnäbel, Hörner und Geschlechtsteile ohne Betäubung azuschneiden. Die Amputationen werden so fast immer kostengünstig-quälerisch durchgeführt. Und auch der Tod ist nach durchweg qualvollem Leben oft reine Folter: 200.000 Rinder jährlich werden in deutschen Schlachthöfen nicht richtig betäubt und erleben ihr Ausbluten oder gar ihr Zerhacktwerden bei vollem Bewußtsein. Alle 2,4 Sekunden landet ein Schwein bei vollem Bewußtsein im Brühbad. Mindestens 95 Prozent des in Deutschland verzehrten Fleischs ist Produkt solcher Bedingungen - Produkt einer Industrie, die ihre Megaprofite auf Kosten der Tiere erwirtschaftet. Das gilt übrigens in gleichem Maße auch für die Milch- und Eierindustrie.

... ist für ganz miese Jobs verantwortlich

Allein in Deutschland werden 56 Millionen Schweine jährlich von Menschen getötet, gehäutet, zerlegt und verpackt. 1.500 Schweine pro Stunde muß ein einziger Schlachthofarbeiter töten - acht Stunden am Tag, monate-, jahre-, vielleicht jahrzehntelang. Jobs in der industriellen Tierhaltung und -verarbeitung sind nicht nur schlecht bezahlt, schlecht angesehen, monoton und in jeglichem Sinne "dirty jobs". Es sind grausige Jobs. Sie zwingen Menschen, jegliche Empathie mit der unmittelbar leidenden, schreienden, hilflosen Kreatur permanent zu unterdrücken. Sie stumpfen ab, brutalisieren, lassen verzweifeln. Die erschütternden Berichte von Beschäftigten in Mast- und Schlachtbetrieben legen davon Zeugnis ab.

... schädigt die eigene Gesundheit

"Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" - solche Werbung ließ sich die Agro-Lobby jahrzehntelang vom Steuerzahler finanzieren. Der beißt dafür umso schneller ins Gras. Das Problem ist nicht nur Dioxin-verseuchtes, BSE-erregendes oder gentechnisch verändertes Futter - sondern auch die massive Medikamenten-Dröhnung, ohne die indrustrielle Tierhaltung nicht funktionieren kann. In den USA werden schon mehr Antibiotika an Tiere verfüttert als an Menschen - mit absehbar katastrophalen Folgen. Durch zunehmende Antibiotika-Resistenzen können Seuchen, die die Menschheit überwunden hatte, mit aller Wucht zurückkehren.

Zu Biofleisch kann greifen, wer "nur" an Herz- und Kreislaufkrankheiten oder an Krebs erkranken will, Wissenschaftlich nachgewiesen ist auch, daß Milchverzehr dem Körper mehr Kalzium entzieht als zuführt - also nicht für starke Knochen sorgt, sondern für Osteoporose. Die Milch macht's? Wer der Werbung glaubt, springt auch mit Red Bull vom Hochhaus.

... kann damit aufhören

Ganz ohne zu schwächeln: selbst Hochleistungssportler ernähren sich vegan, also ohne jegliche tierische Produkte und dabei bleibt der Genuß keineswegs auf der Strecke. Tragfähige Gründe für den Konsum von Fleisch, Milch oder Eiern gibt es nicht - aber eine Menge schwerwiegender Gründe dagegen.

Zwei bis neun Prozent Vegetarieranteil an der Bevölkerung: das reicht bei weitem nicht. Politische Maßnahmen werden öffentlich längst diskutiert, wenn auch noch selten umgesetzt. Luxussteuern auf Tierprodukte, fleischfreie Tage in öffentlichen Kantinen, effektive Verbote - was ist ... durchführbar?

21.09.2011, 13:31 von RolWg | 15429 Aufrufe

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