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Vegetarier & Tierrechtler

Vegetarier & Tierrechtler

Günther Henzel

Vegetarier & Tierrechtler

Nachfolgend habe ich Aussagen aus dem EU.L.E.n-Spiegel, Heft 4-6/2012, als Gegenposition zur aktuellen “Wir haben es satt 2013“ Bewegung zusammengestellt. Nicht nur der Verbraucher, sondern insbesondere Köche haben mit der Thematik der Lebensmittelproduktion und damit zusammenhängenden Kaufentscheidungen täglich zu tun.

Die von Vegetariern und Tierrechtlern vorgebrachten Argumente zur „gesunden“ Pflanzennahrung und Massentierhaltung sind undifferenziert und tragen Züge einer Öko-Ideologie.

  • Die Produktion von Futter blockiert zwei Drittel der Agrarfläche

Von weltweit 5 Milliarden Hektar Agrarland dient tatsächlich mehr als 2/3 der Produktion tierischer Lebensmittel (Rest, etwa 1,4 Milliarden ha ist Ackerland), aber diese Gebiete sind überwiegend Dauerweideland (meist in trockenen oder kalten Regionen); sie eignen sich nicht für Ackerbau. Weidewirtschaft ist die Voraussetzung, um in diesen Regionen leben zu können. Brandrodungen (Urwald) sind in diesem Zusammenhang gering (allerdings bedeutend für die Erzeugung von Bioenergiepflanzen, s.u.).

  • 60% des deutschen Getreides werden verfüttert

Grund: Ein Großteil der Ernte ist nicht für die menschliche Ernährung geeignet (viele Böden liefern keine ausreichende Getreidequalität); Anbau erfolgt von vornherein als Futtermittel oder Biokraftstoff.

  • Aus 16 kg Korn wird 1 Kilo Fleisch

Ein Bulle erhält pro Tag etwa 2 kg Getreide; zusammen mit Heu und Silage nimmt das Tier am Tag etwa 1,5 kg zu. Würde die Nahrungsmenge (16 oder sogar 24 kg) nur Getreide sein, würde das Tier an Pansen-Übersäuerung verenden.

Das Futter richtet sich nach den lokalen Gegebenheiten: In Neuseeland erhalten Kühe weder Getreide noch Kraftfutter; im Winter (wenn kein Gras wächst) gibt’s nur mit Melasse gesüßtes Heu und Stroh. In dieser Zeit geben die Tiere keine Milch (sie liefern also nur halb soviel Milch wie unsere); trotzdem ist Neuseeland der größte Milchexporteur der Welt. Warum: im Vergleich zu Deutschland gibt es dort extrem viel Weideland und weniger Menschen.

Gras (frisch, siliert oder als Heu) stellt mehr als die Hälfte des Futters in Deutschland.

Rinder fressen Millionen von Tonnen an Resten (aus Zuckergewinnung, Bierproduktion, Ölmühlen, Saftpressen). Das daraus Gewonnene wird als Kraftfutter bezeichnet.

Tatsächlicher Futterbedarf:

- für 1 kg Schweinefleisch werden rund 4 kg Futter benötigt

- für 1 kg Hühnerfleisch2kg Getreide plus 1 kg Sojaexpeller

Früher wurde das Doppelte und Dreifache an Futter benötigt. Der große Auslauf der Hühner war notwendig, damit sie genügend Futter fanden.

Die beste Futterverwertung haben Fische:

- für 1 kg Fisch werden etwa 1,2 kg Futter benötigt

  • Traditionelle Landwirtschaft statt Monokulturen und Massentierhaltung

Je fruchtbarer der Boden, desto mehr Nahrung wurde geerntet – und desto mehr Naturdung wurde benötigt – deshalb wurden auch beste Böden als Weideland benutzt. Eine ökologische Nutzung der Böden war deshalb, Rinder nur dort weiden zu lassen, die nicht für Ackerbau geeignet waren. Dadurch entstanden die landwirtschaftlichen Spezialisierungen auf das, was möglich war (abhängig von Marktwünschen).

Auch der Tierschutz hat zur Konzentration der Tierhaltung beigetragen: Jede neue Vorschrift zur Verbesserung der Haltung erforderte Investitionen (Größe der Stallungen etc.), die kleinere Betriebe nicht aufbringen konnten.

Die historische Landwirtschaft, in der sich die Menschen in Armut ihr kurzes Leben von Kindesbeinen an krumm und bucklig gearbeitet haben, wird geschichtsvergessen zum Idyll erklärt. Es war die Zeit, in der etwa 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten mussten: Mädchen als Mägde, Jungs als Knechte; Kinderarbeit war unverzichtbar.

Sommerferien wurden deshalb eingeführt, um die Schulpflicht auch in ländlichen Gebieten durchsetzen zu können.

  • Wer seine Tiere liebt, tötet sie nicht

Einige Tiere fressen den Menschen ihre Lagervorräte auf: Kornkäfer, Ratten, Mäuse, Motten etc. Sie werden in der Regel mit Fallen oder Gift dezimiert, ohne dadurch eine Nahrungsquelle zu haben. Wer Äpfel, Müsligetreide ernten will, muss die Wühlmäuse im Obstgarten, Wildschweine auf dem Weizenfeld und Ratten aus dem Getreidesilo den Garaus machen. Wer nicht willens ist, regelmäßig Tiere zu töten, fördert eine Welt voll Hunger, Not und Ungerechtigkeit, egal ob er Vegetarier ist oder nicht. Viele Tiere essen unseren Brotkorb leer, aber dafür ist sicherlich nicht das Nutzvieh verantwortlich.

Während Rinder, Schweine, Hühner etc. gefüttert werden, um einen grundlegenden Beitrag zur Ernährung zu leisten, trägt das Füttern von Schoßtieren aller Art nicht zur Nahrungsversorgung bei.

  • Für unseren Fleischhunger brennt der Regenwald

Die wirklichen Flächen werden für den Anbau von Bioenergiepflanzen benötigt. In Südostasien werden der Urwald abgefackelt und indigene Völker vertrieben, um Flächen für Ölpalmen (für Biodiesel) zu gewinnen (eine hauptsächlich von Deutschland ausgelöste Bioenergiewelle). Die Ausbreitung der Städte verläuft nach den Gesetzen der Thünenschen Ringe (heißt heute: indirekte Landnutzungsänderung). Z.B.: Wächst die Zuckerfabrik in Brasilien durch den gewaltigen Mehrabsatz für Biosprit, werden Rinderhalter und Kleinstsiedler verdrängt, die rund um die Fabrik leben. Das hat mit „Fleischhunger“ nichts zu tun.

Der Nahrungsmittelmarkt ist in Abhängigkeit von den wechselhaften Idealen der gut meinenden Wohlstands-Gutmenschen geraten. Ihre Ideale wechseln sprunghaft (heute Biosprit, morgen nur Biolebensmittel, übermorgen die Reduzierung des Viehbestandes, dann „Greeningflächen“ statt Lebensmittelflächen, dann verteufeln sie plötzlich den Biosprit, alles ohne Ahnung auf die Auswirkungen auf die Umwelt und Bevölkerung. Begründungen werden im Palaver über den nahen Weltkollaps geliefert. Die „Energie vom Acker“ ist ein Paradebeispiel für sprunghafte Argumentationen. Das von ihnen angerichtete Chaos soll nun von der Bürokratie gelöst werden (z.B. Zertifizierungssysteme), sie selbst tun so, als hätten sie mit der „Energiewende“ nichts zu tun.

  • Die Energiewende schaffen wir nur mit weniger Fleisch

Vermindert der Anbau von Energiepflanzen unsere Abhängigkeit vom Erdöl? Nein!

Der Anteil der Bioenergie am Gesamtverbrauch ist minimal, was auch so bleiben wird. In Deutschland wurden 2010 stattliche 52 Mio. Tonnen Benzin und Diesel verbraucht. Wollte man diese Menge durch Biodiesel ersetzen, wären dafür 38 Mio. ha Raps nötig, mehr als das Dreifache der gesamten deutschen Ackerfläche (nicht gerechnet der Bedarf von Energie zur Erzeugung von Bio-Energie, was zusätzlich etwa 13 Mio. ha Raps nötig machte). Vorstellungen der deutschen Ökoszene würden nicht einmal mit der Dreingabe der Ukraine als Anbaugebiet reichen, um den Bedarf an Bio-Diesel für den Autoverkehr, Heizöl (Wohnungen), Strom, Spülmaschinen & Co. Bereits heute werden über 2 Mio. ha für Bioenergie missbraucht (Mais = Biogas, Ölfrüchte = Biodiesel, Getreide & Zuckerrüben = Bioethanol/Benzin).

Auf dem Weltmarkt haben sich die Preise für Grundnahrungsmittel durch den Bioenergieboom verdoppelt! Seit die Preise für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Speiseöl und Zucker über ihren Heizwert plus Subventionen an den Preis von Rohöl gekoppelt werden, landen die Ernten nicht mehr auf dem Teller, sondern in den Biogasanlagen und Biodestillen.

Die Folgen sind Hungerrevolten; denn, wer sich keine Fertigprodukte aus dem Supermarkt leisten kann, sondern einen Sack Mais kaufen muss, der bisher schon die Hälfte seines Einkommens verschlingt, bedeutet die Verdopplung der Rohstoffpreise blanke Not!

Die „Grüne Energie vom Acker“ erzeugt Armut und politische Unruhen in anderen Teilen der Erde.

Nicht die Bratwurstbude in Wanne-Eickel verursacht den Welthunger, sondern die „Bioenergie“.

  • Indien beweist, dass eine vegetarische Kost gut für alle ist

Indien ist Weltmeister in der Milchproduktion, Voraussetzung dafür sind viele Kühe und Büffel. Wo bleiben diese Tiere, wenn ihre produktive Phase vorbei ist? Die Vorstellung, dass hungrige Menschen hochwertige Rindsbraten verkommen lassen, erscheint weltfremd. Dass viele Tiere geschlachtet werden, belegen die riesigen Mengen an Rinder-und Büffelleder, die Indien exportieren. Der Tierbestand ist gigantisch: u.a. 322 Mio. Rinder (dt. 12.8 Mio.), 154 Mio. Ziegen, 74 Mio. Schafe, 9,6 Mio. Schweine und 800 Mio. Hühner. Wer glaubt, dass diese Massen fast alle eines natürlichen Todes sterben, muss seinen Geisteszustand überprüfen lassen

Vegetarismus ist in Indien sozial erwünscht, deshalb fällt bei öffentlichen Befragungen die Quote viel höher aus, als sie tatsächlich ist. Die Tageszeitung The Hindu meint, 40% der Bevölkerung wären Vegetarier – dann sind ja wohl 60% keine Vegetarier. Rindfleisch zu essen, ist ein religiöses Tabu (bei Verletzungen dieses Tabus sind Ausschreitungen nicht selten). Angehörige anderer Religionen schlachten Rinder und verkaufen das Fleisch als „Hammel“ oder „Wasserbüffel“. Damit gehört die Behauptung, Indien sei eine vegetarischen Nation, ins Reich der Legenden.

Es ist nicht gerade tierfreundlich, unterernährte Rinder solange zu melken und als Zugtiere arbeiten zu lassen, bis sie ausgemergelt und krank sind, um sie dann in die Städte zu treiben, damit sie sich als heilige Kühe von Abfällen ernähren bis sie schwarz geschlachtet werden oder jämmerlich krepieren. Tierärztliche Versorgung gibt es nicht mal im Traum. Überzählige Kälbchen werden nicht wie bei uns gemästet, sondern lässt sie langsam vor den Augen des Muttertieres verhungern. So lässt sich auf „natürlichem Wege“ die Milchleistung der verzweifelten Kühe erhöhen.

  • Pflanzenkost ist nahrhaft und gibt Kraft

Will man viele Menschen von knapper Fläche ernähren, sind Salat u. Spargel (teurer als Fleisch) eine sinnlose Vergeudung von bestem Ackerland. Tierhaltung wäre da sogar besser. Verfüttert man Gras oder Grassilage von 1 ha an ein Rind, erhält man pro Jahr 100 Hektoliter Milch (= 340 kg Eiweiß und 420 Fett!). Wer meint, der Tierbestand fresse dem Menschen das Brot weg, wird beim Nachrechnen der Ökobilanz von Spargel, Feldsalat oder Gurken schnell merken, dass ein großer Unterschied zwischen heimischen Kartoffeln, Sauerkraut und Apfelmus und dem Luxus von kalorienarmem Importgemüse besteht.

Früher sollte Gemüse satt machen (Kartoffeln, Kraut, Linsen); heute schätzt man Vegetabilien, die im Ruf „Schlankmacher“ zu sein (Rucola, Spargel, Artischocken). Inzwischen werden Salatblätter und Gurkenscheiben zunehmen auch als Dekoration verwendet. Aber mit Laubwerk und Deko-Artikeln bekommt man keine Bevölkerung satt.

  • Vegane Biokost rettet den Planeten

Die Achillesferse des Biolandbaus ist die Tierhaltung.

Grund: Die biologische Landwirtschaft ist mehr von der Tierhaltung abhängig als die konventionelle Landwirtschaft, bei der heute ganze Landstriche heute viehlos wirtschaften. Es ist der Stickstoff, der darüber entscheidet, wie die Ernten ausfallen, denn er entscheidet, wie viel Eiweiß produziert werden kann. Auf unserem Globus können nur so viele Menschen ernährt werden, wie Eiweiß in Form von Nahrungsmitteln verfügbar ist.

Ohne Dünger braucht der Boden Zeit, um seine Nährstoffdepots aus der Verwitterung von Bodensubstanzen und dem Abbau von Pflanzenresten wieder aufzufüllen. Dies kann man durch Gründüngungspflanzen wie Klee oder Luzerne fördern (wg. der stickstoffbindenden Knöllchenbakterien; sie können aus dem Luftstickstoff - ca. 78% Anteil an unsere Atmosphäre - pro Hektar und Jahr auf 200 bis 400 kg Stickstoff freisetzen und in organische Verbindungen überführen und so für die Pflanzenernährung nutzbar machen).

Nach einem Jahr mit Klee wurde mehr Getreide geerntet als nach einem Brachejahr (sogar Weizen konnte hier angebaut werden, der höchste Ansprüche an den Boden stellt). Durch die Erhöhung des Viehbestandes (Dung-Lieferanten), konnten mehr Kartoffeln und Getreide geerntet werden. Das änderte sich in den Kriegsjahren (Menschen aßen aus purer Not das, was sonst zur Viehfütterung diente).

Würde man die Dreifelderwirtschaft mit Brache (in jedem 3. Jahr werden weder Lebensmittel noch Futtermittel angebaut und das Land sich selbst überlassen) wieder einführen, bräuchte man 50% mehr Fläche. Naturdünger wird daher im Biolandbau zu Mangelware und wird durch Guano (Vogel- und Fledermausmist aus Lateinamerika, Philippinen o. Madagaskar) z.T. ausgeglichen.

Vegetarismus und biologischer Landbau schließen sich gegenseitig aus!

Wer dem Biokunden das Fleisch vergrault, liefert den Ökolandbau ans Messer.

  • Wenn schon Fleisch, dann vom Biohof

Wer Fleisch isst, muss erst mal Viehfutter erzeugen. Nachweislich produzieren die Biobauern nur gut 50% der Erträge konventioneller Betriebe.

Foodwatch stellte 2008 in einer Studie fest, dass etwa 87% mehr Fläche benötigt würden, stellte man die Landwirtschaft komplett auf „Bio“ um. Biobetriebe benötigen deutlich mehr Futterflächen und Futter als konventionelle Betriebe, da eine unzureichende Eiweißversorgung besteht, namentlich bei Schweinen und Hühnern. „Futter in Bioqualität“ ist aus Sicht der Tierernährung eine physiologische Eselei und obendrein auch noch teurer.

Im Bio-Stall werden durch den Verzicht auf den Ferkelschutzkorb mehr Ferkel von der Muttersau erdrückt, als in anderen Betrieben. Gänzlich widersprüchlich verhalten sich die ethischen Ziele zum Bioland mit aktuellen Praktiken: Kühen wird der Weidegang verwehrt, sie werden sogar angebunden, „Mastschweine“ haben keinen Auslauf, ebenso gibt es die „Mast“ schnell wachsender Puten, Ferkelkastration und Ausbrennen der Hornablagen bei Kälbern ohne Betäubung.

  • Massentierhaltung und Kunstdünger verseuchen die Umwelt

Der deutsche Tierbestand liefert heute nur ein Drittel des benötigten Stickstoffs durch Dung: 52 kg/ha; Kunstdünger 107 kg/ha. In Viehreichen gebieten ist die Gülle die wichtigste Quelle von Stickstoff, Phosphor und Kali (NPK-Dünger).

Problem: Durch die Konzentration der Tierhaltung auf wenige Gebiete fällt dort zu viel Gülle an, während sie in vieharmen Landkreisen fehlt.

Als es noch keinen Kunstdünger gab, wurden die menschlichen Fäkalien (Plumpsklo, Eimer) in den Großstädten gesammelt und an die Landwirte verkauft (oder achtlos im nächsten Gewässer entsorgt). Für eine echte Kreislaufwirtschaft müsste der moderne Vegetarier also beim Kauf von Müsli oder Gemüse seine Fäkalien in den üblichen Mehrwegflaschen wieder in den Discounter zurückbringen – allerdings bereinigt (keine Rückstände aus Duschgel, Kosmetika, Putzmittel, Arzneimitteln, Recycling-Klopapier etc.).

Richtig ist aber auch: Vor 30 Jahren führte der gedankenlose Umgang mit Kunstdünger – insbesondere im Gemüse- und Weinanbau – vielerorts zu einer völlig unnötigen Belastung des Grundwassers mit Nitrat.

Dieses Problem ist weitgehend behoben (Filtertechniken u.a.m.), dass heute z.T. manche Gewässer einen Mangel an Nährstoffen haben, dass sogar Berufsfischer die Düngung von Gewässern fordern, wenn die natürlichen Fischbestände nicht verschwinden sollen.

  • Frisches Gemüse ist seit jeher Merkmal einer bewussten Ernährung

Auf den Teller eines Wohlstands-Vegetariers kommen heute Spezialitäten aus aller Welt. Man ist ja nicht aus Not zum Vegetarier geworden, sondern möchte weiterhin abwechslungsreich und genussvoll essen. Auch mitten in der Erntesaison für Frühkartoffeln und Zuckererbsen werden die doppelt so teuren, vorverpackten Spezialitäten aus Malta, Neuseeland, Sambia und Simbabwe gern gekauft. Es sind Luxusgüter, die aufgrund des hohen Ressourcenverbrauchs teurer als Bratwurst, Schnitzel oder Hähnchenkeulen sind. Erbsen- und Bohnenpflücken ist Handarbeit, die nun mal in Afrika billiger ist. Die geringeren Produktionskosten erlauben den Flugzeugtransport, allerdings sind solche Luxusprodukte weder klimafreundlich noch tragen sie zum Welthungerproblem etwas bei.

Parallel zum Erstarken des Vegetarismus verminderte sich die Produktion von Gemüse in Deutschland, da im hiesigen Klima nur für begrenzte Zeit die begehrte Frischware geliefert werden kann. Saisonale Überschüsse wurden früher konserviert (viele Konservenfabriken). In den 80er Jahren musste die letzte Konservenfabrik schließen (frisch schmeckt Gemüse nun mal besser als aus heimischen Konserven.

Und schließlich: Tiefkühlkost hat geringere Rohwaren-Verluste vom Feld (bis zum Teller), benötigt aber stromfressende Gefriertruhen. Gefrostetes Gemüse ist deshalb beliebt, das es bereits küchenfertig ist (bei gleicher Qualität).

Die Fruchtbarkeit der Böden ist nicht mehr ganz so wichtig, sondern die Befahrbarkeit bei Regen. Fette Lehmböden sind meist nachteilig. Würden Bohnen wegen schlechten Wetters eine Woche länger auf dem Feld bleiben, würden aus den extra-feinen Bohnen nur noch feine Bohnen, die von der Frosterei nicht mehr abgenommen werden.

Deutschland importiert heute 60% seines Gemüses und 80% seines Obstes. Nur bei tierischen Lebensmitteln ist das Land überwiegend Selbstversorger (Futtermittel werden mit dem vergleichsweise umweltfreundlichen Schiff transportiert).

Ein Holländer trinkt so viel Kaffee und Tee, dass man dafür mehr Fläche als für den Anbau von Kartoffeln oder Gemüse und Obst benötigte.

Der deutsche Vegetarismus ist in seiner Praxis ein gedankenloser Luxuskonsum, der wenig Rücksicht auf seine Umwelt nimmt.

  • Regionale Kreislaufwirtschaft schützt uns vor der Globalisierung

Importgüter müssen auf ihre Austauschbarkeit hinterfragt werden. So würden Gemüse aus Holland oder von der Elbe in Bayern nicht mehr gefragt, gäbe es dafür einen regionalen Erzeuger.

Das Ideal: Gesetzgeber/Bürokratie regelten, dass nur Waren angeboten werden, die nach vergleichbaren ökologischen und sozialen Standards hergestellt wurden. Damit ließen sich kleinere Betriebe erhalten, Massentierhaltung vermeiden, Transportwege verkürzen, mehr Menschen beschäftigen, der Urwald schonen und der Hunger auf der Welt bekämpfen.

Die Begeisterung für diese Utopie fußt auf der Vorstellung, eine längst überfällige Lösung gefunden zu haben. Wer sich den Traum vom Landidyll selbst nicht erfüllen kann, wünscht sich ihn wenigstens auf dem Esstisch. Diese Sehnsucht wird von der Lebensmittelindustrie (Werbung) gefördert. Für die Protestwähler unter den Kunden stehen dann im Supermarkt „Wir haben es satt“-Schilder.

Alles ist irgendwo regional, es kommt nur auf den Radius an. Läge dieser nur bei 100 km, gäbe es für Milch/Milchprodukte bereits Probleme. Denn der Selbstversorgungsgrad liegt in Bayern bei 170%! Bei Käse sogar bei 330% (wohin mit dem Überschuss?). Von Lindau bis Bayreuth sind's bereits 400 km, und bayrische Produkte werden in einem Umkreis von 1000 km teuer verkauft.

Wenn bayrische Kühe nur bayrisches Kraftfutter, inklusive Eiweiß, fressen dürfen und bayrische Verbraucher die heimische Milch kaufen sollen, dann müssten sie doppelt soviel Milch und Käse verspeisen, und die Produkte wären teurer, als die aus den angrenzenden Gebieten nördlich des Weißwurstäquators. Auf Fischstäbchen und Südfrüchte müsste man verzichten (keine regionalen Erzeugnisse). Aber warum sollte man das tun?

Wir tauschen Milch und Fleisch gegen Gemüse und Obst, die im Süden länger und vielfältiger wachsen, und dort mit einer besseren Ökobilanz erzeugt werden.

Regionale Folklore taugt als Verkaufsargument im globalen Handel, Regionalität als Ideologie würde bayrische Milchbauern ruinieren.

Die Lebensmittelversorgung in der DDR entsprach den aktuellen Wünschen der Weltretterszene, nur wurde das bisher nie thematisiert. Problem: Zwar war das Angebot regional, bloß, es gab nicht immer das, was man gerade wollte.

  • Die moderne Landwirtschaft verbraucht die Natur

Bei der Landwirtschaft geht es um die Ernährung der Menschheit. Am Anfang stand die Urbarmachung, die Rodung der Wälder und das Trockenlegen der Moore. Dadurch entstand ein völlig neues Ökosystem, alle weiteren Änderungen (Anbauformen) sind dagegen unwesentlich.

1900 wurde mehr als 1 ha zur Ernährung eines(!) Bürgers benötigt – und das bei regionaler, saisonaler und biologischer Wirtschaftsweise.

Heute reichen bei konventioneller Ernährung ca. 0,2 ha pro Bürger, also weniger als ein Fünftel(45 x 45 m!). So gesehen könnte sich Deutschland zu etwa 90% von der eigenen Agrarfläche ernähren.

Je moderner die Landwirtschaft, desto mehr Platz bleibt für die Natur (und Träume der Menschen)

  • Politisch korrektes Essen ist schwer verdaulich

Wer nach Antworten auf einer ökologisch sinnvollen Ernährung sucht, dem kann schwindelig werden:

  • Zuckererbsen aus Simbabwe oder (heimische) Dosenerbsen?

  • ist die Tomatensuppe vegan oder der Emulgator doch mit Schweinefett verestert?

  • Woher kommt das „Inka-Korn“? Wurden dafür bunte Blumenwiesen unter den Pflug genommen und endemischen Blattläusen die Lebensgrundlage entzogen?

  • sollte man statt eines Espressos lieber ein Pils trinken, wg. der Klimabilanz und des Schutzes der Tropenwälder – oder besser genau umgekehrt: damit die Kaffeepflückerinnen nicht arbeitslos werden und auf Spenden aus Deutschland angewiesen sind?

  • kann man Bauwollsocken guten Gewissens kaufen, wenn Baumwollfelder dadurch Fläche für Nahrungsmittel entziehen?

Für einen Umwelt- und Klimaschützer wäre es eine Ehrensache, alte Socken selbst zu stopfen – oder bieten Nylonstrumpfhosen eine noch ökologischere Antwort? Bis zum Freitod oder dem Aufenthalt in einer Irrenanstalt sind keine Grenzen gesetzt.

Die Klimabilanz eines Obdachlosen wäre demnach vorbildlich. Ein Plattenbaubewohner ohne Urlaubskasse könnte jeden Tag nach Herzenslust Shrimps und Palmenherzen schlemmen und wäre damit immer noch „klimafreundlicher“ als eine vegetarische Studentin, die im Bioladen einkauft, sich modebewusst kleidet und regelmäßig mit dem PKW zu ihren Eltern fährt.

Die Wünsche nach weniger Tierhaltung, mehr Biohöfen und kleineren Kreisläufen schließen sich gegenseitig aus. In einer vegetarischen Öko-Republik würde es zu einer Renaissance von Karoffeln, Linsen und Sauerkraut kommen und bei Tisch motivierende Lieder zum Fleischverzicht gesungen.

Der neue „ökologische“ Mensch ist so wenig zu erwarten wie früher der stets um das Gemeinwohl besorgte „sozialistische“ Genosse.

Der heute übliche Vegetarismus und namentlich Veganismus sind Formen des Luxuskonsums, der die Umwelt belastet und den Menschen in ärmeren Ländern die Lebensgrundlage entzieht.

Der Trend hin zu einer „Weltrettungsreligion“ (Matthias Horx) in Form des angenommenen „Klima-Kollaps“ bietet einen Lebenssinn: Energiesparen und CO2-Vermeidung werden zu einer Art Verhaltensmatrix, zu Ritualen, wie sie bei Weltreligionen üblich sind.

Apokalyptische Vorstellungen führen zu totalitärem Denken. „Jede Ideologie benötigt einen Notstand“.

In den nächsten Jahren werden im Namen des Klimaschutzes Verhaltensnormen entstehen, die an den Rand eines Ökofaschismus gehen können.

 

 

Quelle: EU.L.E.n-Spiegel, Heft 4-6/2012, S. 6-18

 

 

23.01.2013, 12:02 von Günther Henzel | 13851 Aufrufe
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