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EHEC in spanischen Gurken

EHEC in spanischen Gurken

Hamburg. Der EHEC-Erreger ist durch das Hamburger Hygiene-Institut auf spanischen Salatgurken nachgewiesen worden. Mehrere Supermarktketten reagieren und nehmen das Gemüse bundesweit aus den Regalen. „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz unserer Kunden“, sagte eine Real-Sprecherin dem Abendblatt. Die spanischen Salatgurken wurden bei Real ausschließlich im Bio-Sortiment geführt. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Behörden, um immer auf die aktuellsten Entwicklungen reagieren zu können“, sagte die Sprecherin. Geplant seien auch Aushänge in den Märkten, sowie Informationen auf der Internetseite.

Bei vier Proben hatte das Hamburger Hygiene-Institut am Morgen den Erreger eindeutig festgestellt. Das teilte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit. Eine der Salatgurken mit EHEC-Keimen konnte bislang noch nicht sicher zugeordnet werden. Die anderen Proben sind eindeutig von zwei Erzeugern aus Spanien. Nach Angaben von Rico Schmidt, dem Sprecher der Gesundheitsbehörde, handelt es sich unter anderem um Gurken der Marke „Pepino Bio Franet“ aus Malaga- dem Namen nach ein Bio-Produkt.

„Diese neuen Erkenntnisse sind sofort auch als Schnellwarnung bundesweit herausgegangen“, sagte die Senatorin. Die Ergebnisse sollten jetzt bei weiteren Messungen überprüft werden. „Weitere Informationen zu Herkunft und Details werden jetzt zusammengestellt.“ An die Bevölkerung ergeht der Aufruf, Gurken nicht zu essen.

Das Agrarministerium in Madrid will sich bislang noch nicht zu dem Fund von EHEC-Erregern in Salatgurken aus Spanien äußern. Die Informationen aus Deutschland würden jetzt geprüft, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Ob es eine offizielle Stellungnahme geben werde, konnte er nicht sagen.

Betroffene Ware wird aktuell in Hamburg aus dem Handel genommen, so Prüfer-Storcks. „Wir ziehen alles aus dem Verkehr, was wir diesen Quellen zuordnen können.“ Die Hamburger Gesundheitsbehörde geht allen denkbaren Vertriebswegen nach. Die Proben stammen vom Hamburger Großmarkt.

Die Untersuchungen beziehen sich nach Angaben der Senatorin auf Hamburg und hätten deshalb nur bedingten Aussagewert für andere betroffene Orte. „Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen.“

Den Mikrobiologen des Hygiene-Instituts sei es außerdem gelungen, den Erreger zu spezifizieren. Es handele sich um den Serotyp O104, der in Deutschland sehr selten vorkomme. „Vielleicht ist das die Erklärung für den Verlauf der Erkrankungen.“ Es gebe eine hohe Anzahl von Komplikationen.

In der Hansestadt wurden bis Donnerstag etwa 300 Fälle von EHEC und 66 des Hämolytisch-Urämischem Syndroms (HUS) oder Verdacht darauf festgestellt. HUS ist eine schwere Verlaufsform der durch EHEC ausgelösten blutigen Durchfälle, bei der giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums zu Nierenschäden führen können. Die Betroffenen sind nach Angaben der Senatorin im Alter von 9 bis 77 Jahren. Der Anstieg der Krankheitsfälle habe sich aktuell verlangsamt.

Prüfer-Storcks berichtete auch von einem Todesfall in Hamburg, der möglicherweise auf eine EHEC-Infektion zurückzuführen sei. Ein 38 Jahre alter Mann wurde am Dienstag von der Feuerwehr tot in seiner Wohnung gefunden, nachdem sein Arbeitgeber ihn vermisst gemeldet hatte. Der Mann sei an einer Durchfallerkrankung gestorben, das habe die Obduktion ergeben. Ein EHEC-Nachweis stehe aber noch aus. Der 38-Jährige habe ein bis zwei Tage tot in seiner Wohnung gelegen. Der Mann war bei einer Firma in Frankfurt beschäftigt, in der es mehrere EHEC-Fälle gegeben habe. Er selbst sei aber seit mehreren Wochen in Hamburg gewesen.

Die Gemüsebauern in Norddeutschland sind indes nach dem Fund des EHEC-Bakteriums in spanischen Salatgurken erleichtert, fürchten aber weiter mögliche Einbußen. „Das schafft hoffentlich etwas Entspannung. Es ist ein gutes Zeichen für unsere Branche“, sagte der Geschäftsführer der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland, Axel Boese, am Donnerstag zu der Analyse des Hamburger Hygiene-Instituts.

Die Verbraucher müssten nun bewusst darauf achten, deutsche Gurken zu kaufen. Vor einer Entwarnung müsse zunächst aber feststehen, dass das Gemüse aus Spanien wirklich der einzige Träger des Erregers ist: „Erst dann werden sich alle Verdächtigungen als unberechtigt herausgestellt haben.“ Viele Anbieter zogen ihre Ware bereits von den Großmärkten ab.

26.05.2011, 17:03 von Ctefan Wohlfeil | 14596 Aufrufe
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